Eine Unternehmerkultur für die Eifel

Prosperierende Regionen zeichnen sich vor allem durch eine ausgeprägte und starke Unternehmerkultur aus. Rohstoffe, Infrastruktur oder externe Investitionen sind zwar für den Wohlstand einer Region auch wichtig, spielen jedoch im Vergleich zum Unternehmertum eine nachgeordnete Rolle. Sehr deutlich zeigen das meine Forschungen zu mittelständischen Marktführern, den so genannten Hidden Champions, die überwiegend in ländlichen Räumen zu finden sind. In Regionen wie Südoldenburg, Ostwestfalen oder dem Schwarzwald, in denen sich solche Weltmarktführer ballen, machen sich seit Generationen zahlreiche junge Menschen selbstständig und gründen Unternehmen. Die Unternehmerkultur ist dort tief in der Tradition verankert.

Die Eifel hat das Potential, eine solche Region zu werden: Die kritische Masse an jungen, innovativen Unternehmen, aus der heraus eine prosperierende Unternehmerkultur entstehen kann, ist vorhanden. Dass sie sich bis heute noch nicht voll entfaltet hat, ist historisch begründet. Nur wenige Unternehmen entstanden am Rande des Deutschen Reiches, im Sibirien Preußens, über das in jeder Generation ein Krieg hinweg ging. Dabei war die Region eisenbahntechnisch bestens erschlossen,
aber die Bahnen dienten vor allem militärischen Zwecken.  

Um eine Unternehmerkultur zu entwickeln, müssen die erfolgreichen Unternehmen, die in allen Landschaften der Eifel als Keime für lokale Unternehmerzellen wirken, vernetzt und das entstehende Netzwerk sichtbar dargestellt werden. Dann entsteht ein viraler Effekt – Unternehmertum ist ansteckend –, der junge Menschen in der Eifel zur Selbstständigkeit motiviert, statt sie nach Festanstellungen außerhalb der Region suchen zu lassen.

Die Vernetzung hat das Handlungsfeld Technologie & Innovation der Zukunftsinitiative Eifel mit den Unternehmensnetzwerken Kunststoff und Maschinenbau bereits vorangetrieben. Der Technologieatlas mit der Vorstellung einer Auswahl Eifler Top-Unternehmen macht das „kulturprägende“ Netzwerk innovativer und technologiebasierter Unternehmen jetzt sichtbar – und bereitet den Nährboden für eine prosperierende Unternehmerkultur und künftige Unternehmensgründungen.

In den folgenden Jahren kommt es darauf an, diese Ansätze gemeinsam mit den Unternehmen weiter zu entwickeln. Die Netzwerk-Aktivitäten der Unternehmen müssen intensiviert, der Gründergeist schon in den Schulen stimuliert, Unternehmensgründungen weiter erleichtert werden. Nicht zu vergessen ist dabei, dass die Lebensqualität stimmen muss, um erstklassige Mitarbeiter anzuziehen, auf die jedes Unternehmen im globalen Wettbewerb angewiesen ist. Leistungsbereite Mitarbeiter wollen nicht nur in einer schönen Landschaft leben, sondern verlangen in vertretbarer Nähe hervorragende Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Kultur, Unterhaltung und Einkaufsstätten.

Die Eifel ist auf dem richtigen Weg. Der Technologieatlas Eifel und die Aktivitäten, für die er steht, zeigen, dass bereits sehr viel unternehmerische Qualität und hochwertige Technologie vorhanden sind und die Unternehmen der Eifel entsprechend lukrative und interessante Arbeitsplätze bieten. Werden die vorhandenen unternehmerischen Vorbilder konsequent weiter entwickelt, so entsteht neben der Naturlandschaft, die immer stärker Touristen anzieht, zusätzlich eine zukunftsfähige Unternehmerlandschaft. Das ist nicht nur für die Unternehmer und die Unternehmen selbst, sondern für alle Menschen in der Eifel wünschenswert. Denn so werden zunehmend anspruchsvolle, gut bezahlte Arbeitsplätze, Aufstiegschancen für junge Menschen und Geschäftsmöglichkeiten für vielerlei Dienstleister geschaffen.

Prof. Dr. Dr. h. c. Hermann Simon

Perspektiven durch Netzwerke und Kooperationen

In der ländlichen Region Eifel haben sich in den letzten Jahren Unternehmen erfolgreich angesiedelt und entwickelt, die jeweils in verschiedenen innovativen Bereichen in Entwicklung und Produktion tätig sind. Die stetig wachsenden technologischen Anforderungen des Marktes und der steigende Wettbewerbsdruck erfordern mehr und mehr neue Wege und Formen der Zusammenarbeit, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe im ländlichen Raum zu erhalten und damit die Innovationskraft des Mittelstandes nachhaltig zu stärken.

Daher hat sich das Handlungsfeld Technologie & Innovation in der Zukunftsinitiative Eifel zum Ziel gesetzt, Unternehmensnetzwerke und Kooperationen zwischen Unternehmen, aber auch zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu initiieren und zu unterstützen. Seit drei Jahren wird durch verschiedene Aktivitäten der Aufbau von Netzwerken in den Bereichen „Kunststoff“ und „Maschinenbau / Mechatronik“ vorangetrieben. Netzwerktreffen, Veranstaltungen, persönliche Gespräche und auch dieser Technologieatlas sollen Unternehmen vorstellen und so eine Basis für gemeinsame Gespräche, Ideen und Projekte schaffen.

Dass diese Aktivitäten sehr nützlich und erfolgreich sind, zeigt die Entstehungsgeschichte der „Steel in Motion GmbH“. Auf einem Netzwerktreffen der Zukunftsinitiative Eifel lernten sich drei Unternehmer und ein leitender Angestellter aus der Eifel kennen und erkannten, dass ihre Unternehmen und ihr Know-how enorme Synergien bieten können. 

So entstand Anfang 2010 die „Steel in Motion GmbH“ aus einem Netzwerk von eigentümergeführten Unternehmen. Industriekunden können durch die Zusammenarbeit mit Steel in Motion die Konstruktions- und Produktionskompetenz von ca. 95 Mitarbeitern nutzen. Laut Udo Adriany, Geschäftsführer der Steel in Motion GmbH, ist es das zentrale Ziel des Unternehmens, die Innovations- und die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft zu stärken, um dadurch allen Beteiligten zusätzliche Aufträge und den Kunden deutliche Zusatznutzen zu liefern. 

Der Euskirchener Engineering- und Fertigungsdienstleister hat in der noch jungen Unternehmensgeschichte bereits Anlagen und Komponenten für Kunden aus der Verpackungsindustrie, dem Sondermaschinenbau, der Automatisierungstechnik, der Chemie- und Pharmaindustrie, der Green-Tech-Industrie sowie dem Werkzeugmaschinenbereich entwickelt und umgesetzt.

Partner der Steel in Motion GmbH sind neben der seit über 150 Jahren bestehenden Stahlbau Müller & Sohn GmbH & Co. KG die ID Ingenieure & Dienstleistungen GmbH, die seit 1998 für Kunden Lösungen rund um den Maschinen- und Anlagenbau entwickelt, sowie die 1999 gegründete Heinen Automation GmbH & Co. KG, allesamt aus der Euskirchener Region. Darüber hinaus arbeitet das Team um Geschäftsführer Udo Adriany eng mit Universitäten und Fachhochschulen zusammen, um den State-of-the-Art zu sichern. 

Die Steel in Motion GmbH ist ein Technologiepartner und Maschinenbauer für die Entwicklung, Planung und Ausführung von komplexen Aufgabenstellungen. Als strategischer Outsourcing-Partner bietet das Unternehmen den Kunden von der mechanischen und elektrischen Konstruktion bis zur Produktion von Sondermaschinen hohe Flexibilität, Zuverlässigkeit und ein breites technologisches Fertigungsspektrum.

Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Udo Adriany
STEEL IN MOTION GmbH
www.steelinmotion.de

TeTRRA Technologieatlas | Impressum

TeTRRA - Technology Transfer & Recruiting in Rural Areas ist ein grenzüberschreitendes Projekt in der EUregio Maas-Rhein, das von der Europäischen Union gefördert wird. Als attraktiver Wirtschaftsstandort, der als ländlicher Raum Natur und Technik verbindet, die Wirtschaftsregion jungen Menschen eine Zukunftsperspektive. das von qualifizierten im Grenzraum Belgien, Nuederlande und Deutschland voranzutreiben und Fachkräfte in der Region zu gewinnen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.tetrra.eu